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Bild: Marcela Antipán Olate


JETZ IM ARBEITSZIMMER THEALIT:

Während ihrer Residency wird Sarah Lüdemann (Beauham) ihre Zeit für eine (künstlerische) Forschungsfrage nutzen, die sie so formuliert: „Während meiner Residency bei thealit werde ich den Begriff ‚queer’ als eine Form ständiger Transformation auf das Konzept der Kategorie als solche anwenden. Dabei entstehen textuelle Module, die nicht nur gelesen, sondern auch räumlich erfahrbar gemacht werden.” Ein Zitat aus einer Vorlesung von Gertrude Stein Composition as Explanation, 1926, ist dazu, ähnlich einem Motto, in einer Projektskizze vorangestellt. Da schwer übersetzbar, hier im Original: 

„Beginning again and again is a natural thing even when there is a series. Beginning again and again and again explaining composition and time is a natural thing. It is understood by this time that everything is the same except composition and time, composition and the time of the composition and the time in the composition. Everything is the same except composition and as the composition is different and always going to be different everything is not the same. Everything is not the same as the time when of the composition and the time in the composition is different. The composition is different, that is certain.” 

In ihren Arbeiten beschäftigt sich Sarah Lüdemann (Beauham) mit (menschlichen) Systemstrukturen, Körpern und Chimären, und abstrahiert diese als Bauteile und Choreographien in multi-medialen Skulpturen und Texten.

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Die Residency von Jennifer Yue Yuen Yu widmet sich dem Siphonophore Paradox. Siphonophore Paradox… Was ist denn das? Zunächst ‚Siphonophore’: „Die Staatsquallen (Siphonophorae) sind eine Ordnung stockbildender und freischwimmender Nesseltiere deren Stöcke aus je Hunderten bis Tausenden von Polypen bestehen. Die Einzeltiere des Stocks sind so hochspezialisiert und vielgestaltig, dass sie fast als Organe eines einzigen Organismus betrachtet werden können. So gibt es Fresspolypen, Tastpolypen, Wehrpolypen, Geschlechtspolypen und Deckpolypen sowie die obere Schwimmboje und zahlreiche Schwimmglocken.” ('Wikipedia).

Und ob das Vorhaben auch mit dem sogenannten ‚Plankton-Paradoxon’ zu tun hat? „Im Wesentlichen besteht das Paradoxon darin, dass Arten, die um dieselbe Ressource konkurrieren, nicht koexistieren können, wenn die Ressourcen in der Umwelt homogen gemischt sind. In einer solchen Situation sollte sich immer eine Art durchsetzen. [So geschieht es unter Laborbedingungen.].[…] Dies steht im Widerspruch zu den Beobachtungen in der Umwelt, wo Hunderte von Planktonarten koexistieren, selbst wenn der Wettbewerb stark ist." (Towards a resolution of ‘the paradox of the plankton’)

Die Arbeit von Jennifer Yue Yuen Yu wird hier gewiss ganz eigene Zusammenhänge herstellen. Die Künstlerin formuliert es in ihrer Ankündigung allgemein: „[Das Projekt] erforscht die verschwommenen Grenzen zwischen Individualität und Kollektivität innerhalb aquatischer Lebensformen. Durch die Verflechtung des menschlichen Körpers mit der Siphonophore eröffnet die Arbeit spekulative Räume, um Identität, Verwandtschaft und Interdependenz in wässrigen Welten neu zu denken. Mit dem Konzept des Fossilisierens lebendiger Körper – fluiden Wesen, die Kräften jenseits ihrer Kontrolle ausgesetzt sind – verfolgt sie, wie diasporische Identitäten und ökologische Geschichten sich verknüpfen und verkörperte Erfahrungen prägen.

  • Aufbauend auf früheren Zeichnungsstudien zur Figuration menschlich-meerestierischer Hybridität wird eine körperliche Performance entwickelt in der eine speziell angefertigte Skulptur verwendet wird, die meinen Körper zugleich umhüllt, hält und transformiert. Die Skulptur fungiert als Erweiterung und Verzerrung meines Körpers – eine prothetische Ökologie. Inspiriert von der modularen Anatomie der Siphonophore erforscht die Arbeit, wie sich Körper durch Einschränkung und Fluidität bewegen – nicht als einzelne Entitäten, sondern als verteilte Beziehungssysteme.

Indem ich meinen Körper dieser Struktur unterwerfe, möchte ich Formen von Unterstützung, Verletzlichkeit und Anpassung in einer queeren Zukunft neu artikulieren – einer Zukunft, in der Körper niemals vollständig festgelegt, sondern immer im Werden begriffen sind.”