Hanne Darboven

† 9. märz 2009
Gehört zu den international renommiertesten Konzept-Künstlerinnen. Sie vertrat Deutschland auf der Biennale in Venedig, hat mehrere Male an der documenta teilgenommen und ist in den wichtigsten internationalen Museen präsent. Geboren 1941 in München, aufgewachsen in Hamburg-Harburg, lebte und arbeitete in Hamburg-Harburg.
Hanne Darboven entwickelte in den sechziger Jahren ein Konzept zur Fortschreibung von Zeit und formalisierte es in einer Abfolge von abstrakten Schreibzeilen und Gruppierungen von Zahlen. Sie wurde angeregt durch ihre Begegnung mit Künstlern der Minimal Art, vor allem Carl Andre und Sol LeWitt, in New York, wo sie sich 1966/67 aufhielt.
Sie distanzierte sich sowohl von der extrovertierten Darstellungsweise der Pop Art als auch von der expressiven Linienführung der Zeichnung. 1968 übernahm sie die Einteilung des Kalenders mit Tag, Monat und Jahr.
Die internationale Anerkennung kam früh. Der New Yorker Galerist Leo Castelli förderte sie, schon 1970 waren ihre Arbeiten im Museum of Modern Art in New York zu sehen, ein Jahr später im Guggenheim-Museum.
In den siebziger Jahren bezog sie ihr Konzept auf literarische Werke wie Homers "Odysee" oder Heinrich Heines "Atta Troll". Mit den Blättern der "Schreibzeit" (1975-80) begann sie sich geschichtlichen Themen zuzuwenden und historische und politische Inhalte zu reflektieren. Dies schlug sich besonders durch die Integration von Bildmaterial in ihrer Arbeit nieder.
Seit 1980 übersetzt sie die ihren visuellen Arbeiten zugrundeliegenden Zahlenkonstruktionen auch in musikalische Strukturen: die Zahlen bestimmter Zeitrechnungen werden von ihr selbst in Töne und musikalische Notationen umgesetzt.
1994 erhielt sie in Hamburg den angesehenen Lichtwark-Preis.
Für das Reichstagsgebäude, in den Fraktionslobbies, im dritten Obergeschoss, wurde die Arbeit "12 Monate (Europa-Arbeit)" von 1997 installiert, die auf 32 Blättern 12 Monate repräsentiert. Die Blätter sind mit Federzeichnung und Collage auf Pergament ausgeführt. Im Unterschied zu den Geschichtsbezügen der Vergangenheit verweist sie auf eine zukünftige Vision von Europa.


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