Elianna Renner

Die 1977 in der Schweiz geborene und in Deutschland lebende Konzeptkünstlerin Elianna Renner arbeitet an der Schnittstelle von Biografie und Geschichte. In ihren Arbeiten hinterfragt sie historische Narrative und deren Ausslassungen – immer mit dem Ziel die hinter dem Vergessenen oder Verschwiegenen stehenden Machtverhältnisse sichtbar zu machen. Im Sinne Michel-Rolph Trouillot’s Konzept der “Undenkbaren Geschichte” geht auch Elianna Renner davon aus, dass wir alle Geschichten brauchen, die diese Lücken füllen und die uns kein Buch erzählen kann. Diesen Kerngedanken umkreist sie in ihren multimedialen Installationen, in denen Fotografie, Performance, Video und Audio-Erzählspuren miteinander korrespondieren, wobei das Publikum stets in einen intimen Dialog mit der Künstlerin verstrickt wird.

Während einer achtmonatigen Forschungsreise mit einem Stipendium des DAAD entwickelte Elianna Renner das Projekt “Tracking the Traffic”. Sie folgte dabei den Spuren jener Frauen folgte, die zwischen 1860 und 1930 vom jüdischen Zuhälterring Zwi Migdal verschleppt und in die Prostitution gezwungen worden waren. Zu den Handlungsorten des Zirkels zählten New York, Buenos Aires, Montevideo, Saõ Paulo, Rio de Janeiro, Mumbai, Shanghai, Johannesburg und Capetown. An diese Orte reiste auch Elianna Renner, um vor Ort mit HistorikerInnen, SchriftstellerInnen, MusikerInnen und FilmemacherInnen zu sprechen, die in den jeweiligen Ländern bereits zu diesem Thema geforscht haben. Parallel dazu besuchte sie Archive und Friedhöfe auf der Suche nach dem, was von der Geschichte der Frauen in Liedern, Literatur und Theaterstücken überliefert wurde.


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